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Gibt es Fracking bald auch in der Schweiz?

In verschiedenen europäischen Ländern wird Fracking derzeit kontrovers diskutiert. Es gibt Anzeichen dafür, dass diese Technologie auch in der Schweiz Fuss fassen kann.

Der Regierungsrat des Kantons Zürich lehnt ein generelles Fracking-Verbot explizit ab. Er betritt dabei Neuland. Denn in den Kantonen Waadt und Freiburg ist Fracking (siehe Box) bereits verboten. Auch im Kanton Bern plant die Regierung ein solches Verbot. Um sicherzustellen, dass dieses auch kommt, haben die Berner Grünen sogar eine entsprechende Initiative eingereicht. «Wir müssen solchen Projekten einen Riegel schieben, bevor sie am Laufen sind», sagt die Geschäftsführerin der Berner Grünen, Regula Tschanz. Sie ist überzeugt, eine «Lobby mit viel Geld» warte schon auf ihren Einsatz in der Schweiz. Diese zu bekämpfen, werde umso schwieriger, je länger man warte.

Die Frage, ob Fracking die Technologie der Zukunft ist, scheidet weltweit die Geister. Deutschland hält an seinem Fracking-Gesetz fest und will die Technologie vorerst nicht verbieten. Die russische Regierung forciert das Fracking vor allem in Sibirien. Auch in den USA erlebt die Technologie einen regelrechten Boom. Frankreich hingegen hat ein generelles Verbot erlassen - als einziges europäisches Land.

«Ein grosses Potenzial ist zu erwarten»

Der Geologe Peter Burri, Präsident der Schweizerischen Vereinigung von Energie-Geowissenschaftern, erklärt, heute stamme in den USA über die Hälfte von allem Gas aus sogenannten unkonventionellen Vorkommen, das nur mittels Fracking gefördert werden könne (siehe Box). «Ein ähnlich grosses Potenzial ist geologisch auch weltweit zu erwarten.»

So seien auch in der Schweiz solche Gesteine, die Öl und Gas generierten, vorhanden - vor allem im südlichen Mittelland gegen die Alpen hin. Geologisch seien die Voraussetzungen durchaus gegeben: «Aber um abzuklären, ob eine Förderung auch wirtschaftlich rentabel ist, müsste man Bohrungen machen und die Vorkommen untersuchen», so Burri. Bis jetzt sei der tiefe Untergrund der Schweiz im Gegensatz zu den Nachbarländern noch schlecht erforscht.

«Wir wären weniger abhängig vom Ausland» 

Conrad Frey, der Geschäftsführer der Aktiengesellschaft für schweizerisches Erdöl (SEAG), würde es als sinnvoll erachten, wenn die Schweiz künftig eigene Gasvorkommen erschlösse: «So wären wir weniger abhängig vom Ausland und müssten nicht viel Energie aufwenden, um das Gas über Tausende von Kilometern in die Schweiz zu transportieren.» Frey betont aber, dass die SEAG bis heute kein Fracking-Projekt in der Schublade habe.

Die SEAG mache momentan vier Bohrungen im Waadtland, um nach konventionellen Gasvorkommen zu suchen. «Würden wir keine solchen finden, dann müssten unkonventionelle Methoden allenfalls geprüft werden.» Dies stehe aber noch nicht auf der Agenda und sei noch vollkommen offen.

Der Bund plant keine Projekte

Das Bundesamt für Energie bestätigt auf Anfrage, dass es keine Fracking-Projekte unterstützt. «Der Schwerpunkt liegt derzeit bei der Erkundung des Untergrundes zur Nutzung des geothermischen Potenzials», sagt die Sprecherin Sabine Hirsbrunner. Zurzeit liefen im Rahmen der Beantwortung eines Postulats aus dem Nationalrat Abklärungen bezüglich der Umweltverträglichkeit des Fracking. Im Bericht wird der Bundesrat seine Haltung zur Technologie und einem schweizweiten Verbot von Fracking darlegen.